Fachtag fand am 7. November 2008 im Kölner Rathaus statt
2.1.2009
Erster Fachtag in Köln als Auftakt einer Veranstaltungsreihe
Alphabetisierung braucht Netzwerk- arbeit. Warum dies so ist und wie sich Netzwerke in der Alphabetisierungsarbeit entwickeln lassen, dem gingen am ersten Kölner Fachtag für Alphabeti- sierung und Grund- bildung Expertinnen und Experten aus Wissen- schaft und Praxis auf den Grund.
Dieser Fachtag war zugleich Auftakt einer Veranstaltungsreihe im Rahmen des Förder- schwerpunkts "Alpha- betisierung / Grund- bildung" des Bundes- ministeriums für Bildung und Forschung (BMBF).
Die Veranstaltung richtete sich mit verschiedenen Vorträgen, Themen-Workshops und einem Infomarkt an das Fachpublikum sowie an interessierte Bürgerinnen und Bürger.
Programm:
12:30 Uhr Eröffnung
12:45 Uhr Vortrag: Forschung zur Alphabetisierung und Grundbildung: Die UN- Weltalphabetisierungsdekade in Deutschland.
13:15 Uhr Vortrag: Kommunale Kooperationsstrukturen in der Grundbildung / Alphabetisierung
14:00 Uhr Vortrag: Alphabetisierung als gesellschaftliches Projekt und ihre sozialräumliche Verortung in Netzwerken
14:45 Uhr Pause
15:30 bis 17:30 Uhr Parallele Workshops
Workshop 1: „Verankerung der Grundbildung im Sozialraum. Erfahrungen aus Köln und München." Ein Impulsreferat zur Thematik Sozialraum- und Gemeinwesenarbeit erläutert die theoretische Ausgangssituation. Auf der Basis dieser Erkenntnisse schließt sich ein intensiver Erfahrungsaustausch der PraktikerInnen an. Die Teilnehmenden der unterschiedlichen Träger, Vereine und Initiativen erhalten die Möglichkeit, ihre Sichtweise in die Diskussion mit ein zu bringen. Methodisch wird der Austausch unter-stützt vom Ansatz des "World Cafés". Dieses Café lädt ein, anregende Gespräche zu führen und sich miteinander auszutauschen.
Workshop 2: „Erfahrungswelten - erleben, verstehen, zur Sprache bringen“ In diesem Workshop haben Besucher die Möglichkeit, sich in die Situation eines schriftunkundigen Menschen hineinzuversetzen. Hierbei werden die Anforderungen einer durch Schrift geprägten Umwelt veranschaulicht. Weiterhin werden Besucher mit fremden Schriftsystemen konfrontiert, um Erwerbsprozesse erfahrbar zu machen.
Workshop 3: „Lernen außerhalb von Kurssituationen – Theaterpädagogische Ansätze in der Alphabetisierungsarbeit“ Gesellschaftliche Teilhabe bedeutet, dass Menschen in ihrem alltäglichen Lebensraum eine aktive und gestaltende Rolle haben. Dazu benötigen sie Kompetenzen, die über das Erlernen des Alphabets hinausgehen. Im Sinne von Augusto Boal kann Theater ein Modell und eine Methode zur Erhöhung gesellschaftlicher Beteiligung sein. Das interaktive Medium Theater knüpft an den individuellen Lebenssituationen der Teilnehmenden an und greift alltägliche und konkrete Alltags- und Konfliktsituationen auf, die gemeinsam szenisch aufgearbeitet werden. Darüber hinaus bietet Theater viele Elemente für einen spielerischen und poetischen Umgang mit Sprache, die auch als kleine Bausteine im Unterricht verwendet werden können. Der Workshop richtet sich an Lehrende und Akteure im Bereich der Grundbildungs- und Alphabetisierungsarbeit, die Interesse haben ihren didaktischen Werkzeugkoffer mit praxistauglichen und ungewöhnlichen Instrumenten zu erweitern.
Workshop 4: „Netzwerke erfolgreich gestalten“ Netzwerke bieten viel Potenzial für die Alphabetisierung. Sie ermöglichen u. a. eine breitere Ansprache der Zielgruppe, Kurse begleitende Unterstützungs- und Beratungsmaßnahmen oder eine gemeinsame Öffentlichkeitsarbeit. Auch bei der Finanzierung von Alphabetisierungsangeboten können sie wertvolle Unterstützung leisten. Wie Netzwerke erfolgreich gestaltet werden können, wird im Workshop durch ein Impulsreferat einleitend dargestellt und anschließend gemeinsam diskutiert. Dabei interessieren insbesondere Gelingensfaktoren und Hindernisse für die Zusammenarbeit im Netzwerk.
Workshop 5: „Sozialintegrative Alphabetisierung“ Sozialintegrative Alphabetisierung hat zum Ziel, funktionalen Analphabeten eine gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen. Die dafür erforderlichen Leistungen umfassen weit mehr als die Vermittlung von Lesen und Schreiben. Dazu zählen u. a. eine sensible Ansprache der Problematik, die Qualifikation von Multiplikatoren, Beratung bezüglich des Bildungsbedarfs und der vorhandenen Angebote, Öffentlichkeitsarbeit zur Enttabuisierung und eine Bildungspolitik, die Rahmenbedingungen für Grundbildung verbessert. Wie dieses Konzept umgesetzt werden kann und welche Merkmale sozialintegrative Alphabetisierungsangebote haben sollten, wird im Workshop präsentiert und in einer Diskussion gemeinsam vertieft.
Workshop 6: „Curriculumentwicklung zur Vernetzung von Bildung im Sozialraum“ Die TeilnehmerInnen des Workshops erhalten Einblick in die methodische Vorgehensweise des Siegener Forschungsprojektes „Grundbildung im Kontext von Wirtschaft und Arbeit“. Schwerpunkt ist die Entwicklung von Lernprojekten für junge Erwachsene, die aufgrund einer unzureichenden Grundbildung nur sehr geringe Chancen auf eine Ausbildung oder Zugang zum Arbeitsmarkt haben. Ziel des Workshops ist es, exemplarisch subjektbezogene und sozialraumorientierte Curricula für die Grundbildungsarbeit zu diskutieren.